Freelancer werden | Bürokratie? Kriegst du hin.

So, nach kurzer Baby-Pause, bin ich wieder da! Ich habe es im letzten Artikel ja schon etwas angeschnitten und wollte das Thema jetzt genauer beleuchten: Bürokratie! Es ist zwar ein etwas langweiliges Thema, aber trotzdem das Thema über das man sich am Anfang fast am meisten den Kopf zerbricht. Wie wird das alles mit den Versicherungen und was ist mit den Steuern? Was muss ich warum zahlen und wie viel? Da das Thema doch etwas komplexer ist als am Anfang gedacht, teile ich die einzelnen Sachen in unterschiedliche Artikel. Steuern, Versicherungen und Finanzen… Sonst wird es zu unübersichtlich. Fangen wir mal ganz am Anfang an:

Selbständig? Freiberuflich? Gewerbetreibend?

Da du dich hier auf DesignDash.de rumtreibst gehe ich davon aus, dass du ein Designer bist, also jemand der eher kreativen Arbeiten nachgeht und du möchtest dich damit selbstständig machen. Wenn du Entwickler bist, dann sehen einige Sachen wieder ein bisschen anders aus, aber das meiste sollte trotzdem auch dafür gelten.

Also, du möchtest dich als Designer selbstständig machen und fragst dich jetzt: „Wo melde ich mich an? Als was melde ich mich überhaupt an? Was bin ich überhaupt und warum?“ Das Erste was du machen musst ist, dir eine Steuernummer beim Finanzamt zu besorgen.

Die Steuernummer

Um deine Steuernummer zu kriegen, über die du ja in Zukunft all deine Steuern abwickelst, musst du deinem Finanzamt einfach nur einen formlosen Brief schicken oder einfach anrufen. Die Menschen beim Finanzamt sind überraschend nett, wenn man das mal mit anderen Ämtern vergleicht. Hast du dich beim Finanzamt gemeldet kriegst du den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, füllst ihn aus und schickst ihn zurück. Der Fragebogen ist nicht sonderlich kompliziert und ist in zwanzig Minuten erledigt. Ich habe hier trotzdem mal einen kleinen Leitfaden fertig gemacht:

Leitfaden zum Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

  1. Bei „Allgemeine Fragen“ wirst nach den persönlichen Dingen  wie Adresse und Bankverbindung gefragt usw. Da solltest du alle Antworten selbst kennen.

  2. Bei „Art des Betriebes“ musst du Angeben als was für ein Betrieb du in Zukunft auftreten willst. Wenn du Designer bist oder einen anderen Beruf hast, der zu den freien Berufen zählt, dann gib „freiberuflich selbstständig“ an.

  3. Bei „Kammerzugehörigkeit und Handelsregistereintrag“ kreuzt du „nein“ an.

  4. Bei „Angaben zu voraussichtlichen Einkünften“ solltest du am Anfang den Gewinn nicht zu hoch angeben, denn ab 10.000 € musst du Einkommenssteuervorauszahlungen machen und das solltest du im ersten Jahr vermeiden 😉 Aber dran denken, es geht bei dieser Angabe um Gewinn und nicht um den Umsatz.

  5. Bei den „Angaben zur Gewinnermittlung“ gibst du „Einnahmenüberschussrechnung“ an.

  6. Bei „Anmeldung und Abführung der Umsatzsteuer“ gibt es einen interessanten Punkt. Wenn du deinen JahresUMSATZ auf unter 17.500 € einschätzt, kannst du von der Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer Gebrauch machen. Das bedeutet, dass du keine Umsatzsteuer (=Mehrwertsteuer) ausweisen darfst, aber auch keine Bezahlen musst. Diese Sonderregelung lohnt sich aber nur, wenn du die Freiberuflichkeit nur als Nebenjob machst. Wenn du deinen Lebensunterhalt mit der Freiberuflichkeit verdienen willst und nichts anderes machst, solltest du das Ziel haben, auf über 17.500€ Jahresumsatz zu kommen (sonst wirst du auch relativ hungrig durch die Welt gehen) und dann bringt die diese Regelung nichts mehr.

  7. Bei „Soll-/Istversteuerung der Entgelte“ kreuzt du „nach vereinnahmten Entgelten“ oder „Istversteuerung“ an.

  8. Bei „Dauerfristverlängerung“ kreuzt du „ja“ an.

  9. Wenn du planst auch im Ausland Geschäfte zu machen, solltest du dir ruhig eine „Umsatzsteuer-Identifikationsnummer“ mit beantragen, das kannst du nämlich am Ende dieses Formulares.

Wenn du alles ausgefüllt und weggeschickt hast, dauert es in der Regel (in Berlin zumindest) nicht mal eine Woche, bis du deine Steuernummer im Briefkasten hast.

(Ein kleiner Hinweis: Wenn du eine Steuernummer hast und irgendwann danach heiratest [mit steuerlicher Zusammenveranlagung], dann kriegst du eine neue Steuernummer, die ab dann gültig ist und nicht mehr die alte)

 

Gewerbeschein? Nein!

Viele denken, sobald sie sich in irgendeiner Form selbstständig machen, müssten sie auch ein Gewerbe anmelden, aber wenn du als freiberuflicher Designer unterwegs sein möchtest, dann melde auf keinen Fall ein Gewerbe an. Das bringt dir überhaupt nichts und zieht einen riesigen bürokratischen Rattenschwanz nach sich. Auch wenn irgendein schlauer Bekannter meint, du brauchst einen Gewerbeschein, dann stimmt das nicht. Also kurz und knapp: Gewerbeschein? NEIN!

 


Das waren jetzt die ersten Schritte in Sachen Steuern. Natürlich weißt du noch nicht, was für Steuern du später zahlen musst und wie oft und wie viel, aber da komme ich im übernächsten Artikel drauf zu sprechen. Der nächste Artikel behandelt erstmal das Thema „Künstlersozialkasse“ und das ist fast das Erste was du angehen musst, wenn du ernsthaft deinen Lebensunterhalt als freiberuflicher Designer verdienen möchtest. Dazu aber in ein paar Tagen mehr.
Ich hoffe der Beitrag war hilfreich und konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Wenn du weitere Fragen haben solltest schreib einfach eine Mail an mail@chrislueders.de An dieser Stelle möchte ich euch auch nochmal ganz herzlich für das nette Feedback bedanken, dass ich nach den letzten Artikeln in meinem E-Mail Postfach hatte. Sowas motiviert mich ungemein.

Liebe Grüße,
Chris

 

 

Chris

UX Design Freelancer aus Berlin. Nie müde Projekte und Experimente nebenher zu betreiben. Ehemann, Vater und überzeugter Pflanzenfresser.