Isolation im Home-Office| Freelancer werden

Nach sehr, sehr langer Zeit mal wieder ein Artikel zur beliebten Serie „Freelancer werden“. Dieses mal das geht es um das Thema „Isolation durch Freelancen“.

Von Großraumbüro zur Isolation

Wenn man länger in einem festen Job gearbeitet hat, ist man es gewöhnt dass man viele Menschen um sich herum hat. Man sitzt vielleicht in einer Agentur und hat Tischnachbarn, oder zumindest sitzen irgendwo im Raum Kollegen und selbst wenn man ein eigenes Büro hat, trifft man hin und wieder auf dem Flur auf einen Mitmenschen. In den Pausen geht man vermutlich zusammen essen oder plaudert in einer kleinen Raucher-/Atempause. Wenn man als Freelancer arbeitet kann sich das alles schlagartig ändern, zumindest wenn man von zu Hause aus arbeitet.

Remote-Work macht dich soziophob

Als Design-Freelancer kann man sehr viele Aufträge von zu Hause aus erledigen. Man steht morgens auf und kann sich über das Internet einen neuen Auftrag suchen, wenn es gut läuft, wickelt man das gesamte erste „Meeting“ per Chat oder Skype ab. Auch das Briefing kommt per Mail und man erledigt den Auftrag in seinem Kämmerlein. Zwischendurch macht man Pause und hat eventuell schon Essbares zu Hause, also keinen Grund das Haus zu verlassen. Nach dem Essen wird weitergearbeitet und zwischendurch werden die Arbeitsergebnisse per InVision, Marvel, Dropbox etc. mit dem Kunden geteilt und das Feedback kommt per Mail oder Messenger. Irgendwann ist der Tag vorbei und der nächste Tag läuft genauso ab und so kann es immer weitergehen, bis einem irgendwann auffällt, dass man eigentlich wochenlang das Haus nicht verlassen hat und nicht mehr weiß wie diese „Menschen“ eigentlich aussehen und sich verhalten. Wenn man zu lange in dieser Isolation verbringt, kann sich das schnell sehr negativ auf die eigenen sozialen Kompetenzen auswirken. Ich lehne mich etwas aus dem Fenster und behaupte, dass viele Designer eh nicht so die Socializer sind, sondern eher zum Nerdtum tendieren. Zumindest geht es mir so… In der ersten Zeit ist diese Isolation auch sehr angenehm, vor allen Dingen wenn man es von früher gewöhnt ist in einem Großraumbüro zu sitzen, aber ich verspreche euch, diese Isolation kann einen auf Dauer soziophob machen und das ist definitiv nicht cool.

„Isolation, isolation, isolation.“ – Joy Division

 

Was also tun?

Wenn ich zu Hause arbeite und das tue ich sehr gern, dann begebe ich mich zum Mittagessen nach draußen, ich gehe ins nächste Restaurant (in Berlin sehr billig und deshalb fast täglich möglich), oder kaufe mir etwas im Supermarkt. Wenn ich einen neuen Auftrag bekomme, versuche ich mich immer mindestens einmal mit dem Kunden zu treffen, das ist nicht nur gut für das eigene soziale Leben, sondern stärkt auch die Dienstleister-Kunden-Bindung. Wenn man eigentlich gerade keinen Grund sieht rauszugehen, oder ein langes Remote-Projekt hat, kann man zur Abwechslung auch in eines der vielen Coworking-Spaces (zumindest in Berlin) gehen, um dort wieder in einer Umgebung zu arbeiten, die etwas mit Menschen angereichert ist. Weiterer Vorteil beim Coworking ist, dass man eventuell neue Kontakte zu anderen Kollegen oder potentiellen Auftraggebern knüpfen kann. Aus meiner Sicht der beste Tipp ist allerdings, von Zeit zu Zeit Projekte anzunehmen und zu suchen, wo man wochenweise im Büro des Kunden sitzt und Teil eines Teams ist. Für die Zeit in der man in so einem Projekt ist, hat man wieder das Gefühl ein Teil der Gesellschaft zu sein und kann bei persönlichen Meetings und Gesprächen, seinen Tank mit Sozialkompetenzen wieder auftanken. Zudem bekommt man in der Regel auch direkteres und positives Feedback, das viel mehr Wert ist, als ein lächelndes Emoticon auf Skype.

Die Mischung macht’s

Ich habe in der Regel nach 2 Monaten, die ich in einem Kundenbüro sitze, die Nase voll und möchte wieder meinem eigenen Biorythmus und Arbeitsrythmus folgen und von zu Hause arbeiten, aber die Zeit beim Kunden ist immer sehr wertvoll und hat neben den sozialen Vorteilen, den großen Vorteil dass man Arbeitsweisen und Strukturen in unterschiedlichen Unternehmen kennenlernt und sehr viel daraus lernen kann. Vor allen Dingen wenn man eventuell selbst irgendwann mal gründen will.

Hoffentlich ist diese kleine Zusammenfassung hilfreich und neben den genannten Tipps, gibt es natürlich auch die Möglichkeit sich zwischendurch mit Freunden und Familie zu treffen, zum Sport oder ähnlichen Vereinen zu gehen, aber ich denke das ist eh klar.

Vielen Dank für’s Lesen und der nächste Artikel kommt bestimmt mit einem kürzeren Abstand.

Liebe Grüße,
Chris

Bei Fragen, Kritik und Anregungen: mail@chrislueders.de

 

Chris

UX Design Freelancer aus Berlin. Nie müde Projekte und Experimente nebenher zu betreiben. Ehemann, Vater und überzeugter Pflanzenfresser.