Freelancer werden | Künstlersozialkasse

Wie versprochen geht es diesmal um die sagenumwobene Künstlersozialkasse. Was ist die Künstlersozialkasse? Warum ist die Künstlersozialkasse so geil? Wie komme ich da rein? Das erfährst du hier und jetzt!

Die Künstlersozialkasse

Zu allererst muss man klarstellen, dass die KSK keine Krankenversicherung ist, sondern sie meldet einen bei der entsprechenden gesetzlichen Krankenkasse und der allgemeinen gesetzlichen Rentenversicherung an und leitet die Beiträge dahin weiter. Man kann auch in der Regel bei seiner Krankenkasse bleiben. Aber die KSK leitet nicht nur fröhlich die Beiträge an die Kassen weiter, sondern sie steuert genau die HÄLFTE der Beiträge dazu bei. Ja, richtig gehört, du bezahlst nur die Hälfte von dem, was ein anderer Selbstständiger, der NICHT künstlerisch, oder publizistisch unterwegs ist bezahlen muss. Das ist einmalig auf der Welt und das sollte man sich als Designer, der sich selbstständig machen möchte nicht entgehen lassen.

Jetzt fragt man sich natürlich, wie funktioniert denn dieses nette Sozialsystem? Wer bezahlt denn nun die andere Hälfte? Die andere Hälfte zahlen zum einen Teil die Kunden, in Form der „Künslersozialabgabe“ (5,1% aller Honorarzahlungen an KSK Versicherte) und der Bund trägt auch durch einen Zuschuss dazu bei. Die abgabepflichtigen Unternehmen müssen übrigens nach Ende des Jahres der KSK die Beiträge nennen und natürlich irgendwann zahlen. Wer das nicht tut, handelt ordnungswidrig.

Also wenn du als Designer bei der KSK versichert bist und davon ausgehst, dass dein Kunde noch nie einen Freelancer gebucht hat, könntest du ihm da einen kleinen Hinweis geben, damit er am Ende nicht total überrascht ist, wenn das mal jemand von der KSK spitz kriegt und er nicht gezahlt hat.

Wie kommt man da rein?

Also, wenn du das hier liest und dich als Designer bezeichnest und damit meine ich nicht Webentwickler oder so, dann kannst dud davon ausgehen, dass du in die KSK aufgenommen wirst. Du kannst dir von der Homepage der KSK eigentlich fast alle Infos holen und hier kriegst du die Anmeldeunterlagen zum Download . Es schwirren immer ein paar komische Gerüchte rum, dass die KSK sich bald auflöst, oder das ein paar Leute einfach nicht reinkommen, obwohl sie müssten usw., aber das ist Blödsinn. Die KSK wird weiterhin existieren, es ist kein Ende in Sicht und jeder der von seinem Berufsstand her, berechtigt ist, in die Künstlersozialkasse aufgenommen zu werden, der wird auch aufgenommen, wenn er sich nicht total bekloppt anstellt 😉

Ein kleiner aber wichtiger Tipp ist, dass dir klar sein muss, dass du dich im Antrag so gut wie möglichst als „Künstler“ darstellst. Also irgendwie versuchst den künstlerischen Wert deiner Arbeit hervorzuheben. Ich bin zum Beispiel hauptsächlich als Webdesigner unterwegs, aber bei dem Portfolio was ich an die KSK geschickt habe, habe ich vor allen Dingen meine Illustrationen, Icons und Logos gezeigt. Aber rein generell ist „Webdesigner“ auf der Liste der KSK Berufe, also sollte das alles kein Problem sein, auch wenn du nicht illustrierst oder so.

Achtung! Der Antrag dauert locker 3 Monate

Das größte Problem der Anmeldung bei der Künstlersozialkasse besteht an der Dauer des Antrags. Wenn du alle Formulare ausgefüllt hast und alles an die KSK geschickt hast, kannst du gut noch 3 Monate warten, bis alles durch ist und du tatsächlich darüber versichert bist. Es kann zwar sein, dass du „schon“ nach 2 Monaten Post von der KSK bekommst, aber da wird vermutlich nochmal nach dem ein oder anderen Nachweis gefragt und du schickst denen halt nochmal einen Brief mit irgendeinem Bullshit und dann dauert es nochmal einen Monat, bis du tatsächlich ein Auserwählter der Künstlersozialkasse bist.

Das kann natürlich etwas schwierig sein, wenn du nur ne Kündigungsfrist von ein oder zwei Monaten hast. In meinem Falle waren es zwei Monate und ich hab den Antrag direkt nach der Kündigung abgeschickt und war dann, genau einen Monat nicht über die KSK bei meiner Krankenkasse versichert, sondern durfte das erstmal schön selbst bezahlen. Den vollen Betrag natürlich. Aber keine Panik, man bekommt das im Nachhinein rückwirkend wieder 😉 Trotzdem, wenn es möglich ist plane den Antrag so gut, dass du ihn 3 Monate vor deiner Freiberuflichkeit abschickst.

Irgendwann wirst du von der KSK hoffentlich einen positiven Bescheid bekommen, auf dem du die gesamte Berechnung für die Versicherungs- und Mitgliedsbeiträge erhältst und wo du den Betrag in Zukunft monatlich hinschicken darfst. Das Tolle an der KSK ist halt, dass du die Beträge NUR an die KSK überweisen musst und die verteilen es an die richtigen Stellen. Also nach dem ganzen Antragsstress, hast du durch die KSK in Zukunft dauerhaft weniger bürokratischen Aufwand.

Gewinn falsch eingeschätzt? Kein Problem!

Was ich nicht unerwähnt lassen wollte: Beim Antrag wirst du nach deinem voraussichtlichen Gewinn für das folgende Geschäftsjahr gefragt. Ich hatte absolut keine Ahnung was ich da eintragen sollte, aber habe erstmal relativ niedrig angesetzt, damit die Beiträge am Anfang nicht so hoch sind. Du musst eben überlegen, was du eigentlich an Gewinn haben müsstest, um in dem Jahr zu überleben und das gibst du dann da an. Vielleicht auch ein bisschen weniger.

Du musst keine Angst haben, wenn du doch viel mehr in dem Jahr an Gewinn machen solltest, du musst nichts nachzahlen. Du musst allerdings nach dem Geschäftsjahr bei der KSK bescheid geben und dann wirst du hochgestuft und deine Beiträge entsprechend erhöht. Ist ja auch fair! Es ist aber nicht nur gut für die KSK und die Versicherungen, sondern auch am Ende für dich, denn je höher deine Beiträge sind, desto besser Fallen natürlich später die Renten- und Versicherungsleistungen für dich aus. Aber wie gesagt, im ersten Jahr erstmal relativ niedrig einschätzen.

 


So, das war wieder ein relativ langer Artikel, zu einem relativ trockenen Thema, nichts desto trotz ist das Thema sehr wichtig und ich bin sehr froh, dass es die KSK gibt, weil ich somit jeden Monat ein paar hundert Euro spare. Ich hoffe der Artikel konnte dir weiterhelfen und wenn es doch noch irgendwelche Fragen gibt, dann scheue dich nicht mir zu schreiben: mail@chrislueders.de

Der nächste Artikel wird sich wohl grob um das Thema „Geld“ drehen, also auch um Lohn, Rücklagen und Steuern. Damit sollten wir dann langsam auch die ganzen nüchternen Themen abgehakt haben und können uns wieder den spaßigeren Sachen widmen.

Liebe Grüße,
Chris

 

Chris

UX Design Freelancer aus Berlin. Nie müde Projekte und Experimente nebenher zu betreiben. Ehemann, Vater und überzeugter Pflanzenfresser.

 

7 Gedanken zu „Freelancer werden | Künstlersozialkasse

  1. Hallo Chris!
    Deine Artikel haben mir bereits sehr geholfen und ich wollte dir dafür danken!

    bei mir ist es nun grad so, dass ich Seit Anfang August ohne Beschäftigung bin und ALG1 bekomme. Ich möchte mich gerne ab ca. Mitte September selbständig machen, vielleicht auch Ende September. Es ist vieles dafür vorbereitet, aber eben noch nicht alles.

    Ich werde mich zwar bei der KSK bewerben, aber wie du ja selbst sagst dauert es oft bis sie einen aufnehmen. In der Zwischenzeit muss ich mich also selbst versichern. Kranken- und Rentenversicherung sind ja Pflicht für Künstler. Aber zusammen sind das mehr als 35% des Einkommes und mit Einkommenssteuer zahlt man dann insgesamt fast 50%. Das macht mir ziemliche Kopfschmerzen und lässt mich ganz schön verzweifeln, weil ich dann in den Monaten von meiner Arbeit (und meinem Erspartem) gar nicht mehr leben könnte. Ich weiß nicht, was ich tun soll.

    Hast du vielleicht einen Rat für mich?

    Ich erhalte vermutlich Gründungszuschuss, aber der ist sehr sehr niedrig, weil ich vorher Azubi war.

    Danke dir im Voraus 🙂

    Viele Grüße
    Adrian

    1. Hallo Adrian,

      vielen Dank für dein Kommentar und Lob.
      Mit deinem speziellen Fall habe ich jetzt keine Erfahrung, aber ich versuche das trotzdem mal mit dir aufzudröseln. Also, du hast ein wenig erspartes, wie lange könntest du davon leben, ohne Einkommen? Und du bekommst ALG 1. Kannst du nicht trotz ALG 1 anfangen freiberuflich zu arbeiten und dir was dazu verdienen? So könntest du erstmal in die Thematik reinschauen und sehen ob es läuft? Oder hast du bereits gute Aussichten auf mehrere Kunden? Vermutlich beißt sich dass aber mit dem Gründungszuschuss, den du nur bekommst, wenn du dann keine anderen Gelder mehr vom Arbeitsamt bekommst korrekt? Dass du fast 50% des Einkommens aber eh nicht einbehalten kannst ist Standard, wird auch auch immer so sein. Wenn du das jetzt nicht geregelt kriegst, denn ist das nicht der richtige Zeitpunkt.

      Du musst ja in einem Monat so viel verdienen, dass du deinen Lebensunterhalt decken kannst und da musst du halt immer 40-50% zurücklegen, bzw. an Versicherungen und Co. zahlen. Einkommenssteuer bezahlst du ja erst Ende des Jahres und da musst du knapp 20% für zurücklegen. Du könntest am Anfang so verfahren, dass du das Geld NICHT dafür zurücklegst und am Anfang damit arbeitest (davon lebst) und dir diese Zahlen aber merkst und später zurücklegst, wenn es besser läuft und du was über hast. Aber das ist natürlich mit einem Entsprechenden Risiko verbunden.

      Du sagst selbst, du könntest in den Monaten von deiner Arbeit und deinem Ersparten nicht leben, wie willst du das in Zukunft gestalten? Wenn du dich selbstständig machst, musst du das aber können 😉 Die ersten Monate sind vielleicht schwierig, besonders in deinem Falle, aber perspektivisch, musst du ja schon davon ausgehen, dass deine Arbeit dein Leben trägt.

      Wäre interessant etwas zu deiner Vorgeschichte zu wissen etc. Aber vielleicht verschieben wir das Gespräch dann lieber ins private auf E-Mail Verkehr: mail@chrislueders.de

      Liebe Grüße,
      Chris

  2. Hallo Chris, am Ende dieses Artikels schreibst du: „Der nächste Artikel wird sich wohl grob um das Thema “Geld” drehen, also auch um Lohn, Rücklagen und Steuern. “
    Gibt es einen solchen Artikel bereits und ich habe ihn nur übersehen (ich habe als nächsten aus dieser Reihe nur die „Selbstausgeiselung“ gefunden), oder wird es demnächst einen geben?
    Das Thema würde mich -neben den anderen Themen hier- natürlich sehr interessieren.
    Liebe Grüße und danke im Voraus! Toller Blog! : )
    Sonja

    1. Hallo Sonja,
      du hast absolut recht und ich bin dir dankbar für den Hinweis. Da ich aber im Moment generell sehr wenig zum Schreiben gekommen bin, bin ich noch nicht zu dem Thema gekommen, weil sich das nicht einfach so „runterschreiben“ lässt. Das Thema benötigt ein bisschen mehr Vorbereitung. Ich habe zuletzt einen Artikel über die Isolation beim Home Office geschrieben, aber das Geld Thema kommt, sobald ich wieder ein bisschen mehr Ruhe habe.

      Ich freue mich über dein Interesse und wenn du immer auf dem Laufenden über neue Artikel etc. sein willst, denn folge mir einfach über die sozialen Kanäle oder RSS.

      Liebste Grüße,
      Chris

      1. Hallo Chris,

        super, danke für deine Antwort! Das mache ich doch glatt – da ich schon total übersehen hatte, dass du mir hier geantwortet hast! Das soll nicht wieder vorkommen! ; )
        Danke für deine tollen Tipps und super gut geschrieben Artikel!
        Weiter so! : )
        Grüße, Sonja

  3. Hallo Chris, vielleicht ist es noch wichtig folgendes zu erwähnen: Jeder „Verwerter“ künstlerischer Arbeit ist abgabepflichtig, unabhängig davon, ob der Dienstleister in der KSK ist oder nicht. Die Abgabepflicht entfällt erst bei Gründung einer GmbH o.Ä,
    seitens des Künstlers!

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