Kunden gewinnen [Teil 1] | Freelancer werden

Kunden sind eine feine Sache für einen Freelancer. Sie bringen die Aufträge ran und schließlich auch das Geld und von Geld kann man sich Nahrungsmittel kaufen und seine Unterkunft bezahlen. Toll! – Aber woher bekommt man denn nun diese Kunden?

Das verdammte Vitamin-B

Es gibt Leute die kommen in den Raum und nehmen ihn in Beschlag. Sie sind offen und finden in kürzester Zeit Freunde und haben absolut keine Probleme in einer neuen Firma Kontakte zu knüpfen. Am ersten Arbeitstag gehen sie mit den neuen Kollegen was trinken und am Wochenende sind sie auf den angesagten Events eingeladen – Alles das bin ich nicht.

Jeder der mich kennt, weiß dass ich nicht gerade ein Socializer bin. Die Tatsache dass aber das verdammte Vitamin-B so unendlich wichtig ist, wenn man Freiberufler ist, ist jedoch in Stein gemeißelt. Also muss man trotz sozialer Schwächen irgendwie an Kontakte kommen, damit man eine größere Chance hat ein Netzwerk aufzubauen und dadurch Kunden zu gewinnen. Jeder der so’n Typ ist, wie ich ihn in den ersten drei Sätzen dieses Absatzes beschrieben habe, kann vermutlich zur nächsten Überschrift springen.

Nerds, Geeks und scheue Rehe lesen hier weiter:
Ich habe ein tolles Netzwerk. Fast all meine Aufträge die ich als Freelancer habe, sind durch Empfehlungen entstanden. Das habe ich bevor ich Freiberufler wurde, auch immer gehört und gelesen: „Du brauchst ein Netzwerk! Man bekommt Aufträge vor allem durch Empfehlungen!“ Ich war mir sicher, dass das nicht der Weg sein wird, wie ich an Kunden kommen werde. Doch es kam ganz anders.

Bevor ich mich in die Selbstständigkeit stürzte habe ich drei Jahre in einer Agentur mit 100-150 Mitarbeitern gearbeitet und konnte in dieser Zeit zwar nicht irre viele Freunde finden (weil es nicht meinem Naturell entspricht), aber ich konnte sehr viele gute geschäftliche Kontakte knüpfen. Ich konnte über die Jahre Geschäftsführer, Manager etc. von meinen Fähigkeiten überzeugen und als ich dabei war mich selbstständig zu machen, habe ich das einfach allen mitgeteilt und ihnen angeboten auch in Zukunft Aufträge auf freier Basis für sie zu erledigen. Das kam sehr gut an und hat mir direkt die ersten Aufträge gesichert.

Auch ehemalige Kollegen, die zwischenzeitlich eigene Firmen aufgebaut haben und mit denen ich noch über LinkedIn, Xing oder Facebook verknüpft war, haben meine Umorientierung mitbekommen und einige davon kamen auf mich zu und teilweise bekomme ich immer noch durch diese Kontakte gute Aufträge. Alte Firmenkontakte sind aber nicht alles.

Online Portfolios

Einige der wichtigsten, dauerhaften Geschäftspartner und einige flüchtige Aufträge habe ich durch mein Dribbble.com-Profil kennengelernt. Dribbble sollte eigentlich jeder Web-, UI- und CD-Designer kennen. Eine große, wenn nicht sogar die größte Platform für die genannten Berufe. Wer’s nicht kennt sollte es sich mal ansehen, wer eine Einladung braucht, der schreibt mich bitte an.

Ich versuche auf meinem Dribbble Portfolio immer die spannendsten Ausschnitte meiner Arbeit zu zeigen und konzentriere mich dort eher auf die Sachen die ich wirklich, wirklich gerne mache, wie z.B. Logo- und Icondesign und Illustrationen. Wenn man einen Pro-Account auf Dribbble hat, kann man von anderen Leuten angeschrieben werden und Job-Anfragen erhalten. Man fängt zwar klein an bei Dribbble, aber wenn man die richtigen Themen abdeckt und die Arbeiten richtig „taggt“, bekommt man schnell Follower und wird relativ schnell angeschrieben. Durch Dribbble habe ich jedenfalls einen Kunden kennengelernt, der mich die ersten Monate komplett über Wasser gehalten hat.

Ich möchte hier gar keine einseitige Dribbble Werbung betreiben, es ist einfach nur die einzige Design-Platform auf der ich perönlich unterwegs bin. Es gibt natürlich noch Seiten wie Behance.com auf der man ungefähr die selben Chancen und Möglichkeiten hat.

Die eigene Website

Meine Freelance-Webseite hat sehr wenig Besucher und bringt mir auch sehr wenig Aufträge ein. Ich benutze meine Webseite nicht wirklich um Werbung für mich zu machen, sondern um interessierten, potentiellen Kunden meine bisherigen Arbeiten zu zeigen. Wenn man wollte, könnte man das allerdings ausbauen und das machen auch viele Freelancer relativ erfolgreich. Zum Beispiel indem man einen Blog anlegt und über die eigene Arbeit schreibt, oder über relevante Designthemen und das dann auch über die Sozialen Netzwerke verteilt und so weiter. Die Möglichkeiten sind vielfältig, das war vor einigen Jahren noch schwieriger.

Kennst du alles schon oder hilft dir nicht weiter? Dann findest du vielleicht im zweiten Teil die richtige Methode

 

Chris

UX Design Freelancer aus Berlin. Nie müde Projekte und Experimente nebenher zu betreiben. Ehemann, Vater und überzeugter Pflanzenfresser.

 

8 Gedanken zu „Kunden gewinnen [Teil 1] | Freelancer werden

  1. Hey,
    toller Artikel!
    Hab bereits deinen Freelancer-werden-Artikel gelesen und fand ihn super!
    Allerdings habe ich noch nie etwas von Dribbble gehört. Ich bin Concept Artist für digitale Spiele und möchte mich jetzt neben dem Master-Studium langsam selbstständig machen. Meinst du, dass die Homepage auch für meine Branche geeignet ist oder eher für die Grafikdesign-Fraktion?

    Liebe Grüße,
    Patricia

  2. Hey Chris,

    besten Dank für diesen guten Artikel (auch Teil 2). Vieles hatte ich so nicht auf dem Schirm.

    Dribbble ist sehr interessant für mich. Wenn dir noch Einladungen zu Verfügung stehen, würde ich mich sehr über eine freuen.

    Dies ist mein Portfolio: http://www.visor-3d.com

    Viele Grüße,
    Inan

  3. Hi Chris,
    vielen Dank für den Artikel. Auch zwei Jahre später noch lesenswert. Mich würde ein Folge-Beitrag natürlich auch interessieren. Welche Dinge haben sich verändert? Gerade das Verhältnis zwischen behance und dribbble, die ja optisch fast schon Zwillinge sein könnten.
    Was mich etwas stutzig gemacht hat, war gleich im Vitamin-B-Teil deine Aussage, dass du Kunden deiner ehemaligen Arbeit weiter betreust. Klingeln bei mir sofort die Alarmglocken hinsichtlich UWG und ggf. Vertragsklausen im Arbeitsvertrag. Klar, es ist ein freier Markt. Kann aber auch böse ins Auge gehen. Wie stehst du heute dazu? So im Rückblick 😉

    Beste Grüße,
    Oli

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